Deutsche Vereinigung für Erbrecht
und Vermögensnachfolge e. V.
Wir machen Erbrecht.
  • Erbrechtliche Experten vor Ort finden.
  • Hier schreiben Erbrechtler.

Testamentfragen

Das gemeinschaftliche Testament von Ehegatten

Muss man ein gemeinschaftliches Testament in amtliche Verwahrung geben?

Nein, man kann auch ein gemeinschaftliches Testament zu Hause aufbewahren.

Welche Besonderheit besteht, wenn man ein gemeinschaftliches Testament aus der amtlichen Verwahrung nehmen will?

Die Rücknahme eines gemeinschaftlichen Testaments aus der amtlichen Verwahrung ist nur durch beide Ehepartner gemeinsam und persönlich möglich.

Wie können die Ehegatten ein gemeinschaftliches Testament gemeinsam aufheben?

Wenn sich die Ehegatten einig sind, können sie die Aufhebung in einem neuen gemeinschaftlichen Testament erklären. Sie können auch ganz einfach in einem neuen gemeinschaftlichen Testament abweichende Anordnungen treffen. Auch die gemeinsame Rücknahme aus der amtlichen Verwahrung ist möglich. Sind sich die Eheleute nicht einig, ist ein Widerruf durch einen Ehepartner nur in notarieller Form möglich. In diesem Fall muss also der Widerruf vor dem Notar erklärt werden. Die Erklärung wird wirksam, wenn sie dem anderen Ehepartner zugegangen ist.

Kann ein Ehegatte auch noch nach dem Tod des anderen seine Anordnungen in einem gemeinschaftlichen Testament widerrufen?

Nein. Wenn einer der Ehegatten verstorben ist, ist der überlebende Ehegatte an den des gemeinschaftlichen Testaments gebunden (§ 2271 Abs. 2 BGB). Er kann also nicht mehr eine abweichende Anordnung treffen.

Welche Wirkung hat es hinsichtlich der Anordnungen im Testament, wenn nur ein Ehegatte das Testament widerruft?

Das kommt darauf an, ob es sich um eine wechselbezügliche oder um eine einseitige Anordnung handelt.

  • Der Widerruf einer wechselbezüglichen Anordnung durch einen der Ehepartner hat automatisch die Unwirksamkeit der entsprechenden Verfügungen des anderen Partners zur Folge.
  • Einseitige Anordnungen, die in einem gemeinschaftlichen Testament enthalten sind, können auch einseitig von jedem Ehepartner widerrufen werden. Der Widerruf erfolgt durch eine neue testamentarische Verfügung.

Kann ein gemeinschaftliches Testament auch angefochten werden?

Obwohl das Gesetz keine ausdrückliche Regelung trifft, wird dem überlebenden Ehegatten die Möglichkeit zur Anfechtung eingeräumt. Die Anfechtung kommt in Betracht, wenn der Erblasser bei Errichtung des Testaments über den oder die Bedeutung seiner Erklärung im Irrtum war oder widerrechtlich durch Drohung zur Abgabe der Erklärung veranlasst worden ist. Die Anfechtung ist auch dann möglich, wenn der Erblasser einen zur Zeit des Erbfalls vorhandenen Pflichtteilsberechtigten übergangen hat, dessen Vorhandensein ihm bei der Errichtung der Verfügung nicht bekannt war oder der erst nach der Errichtung geboren oder pflichtteilsberechtigt geworden ist (§§ 2078, 2079 BGB). Wird das gemeinschaftliche Testament angefochten, hat das zur Folge, dass auch die Erbeinsetzung des Anfechtenden gegenstandslos wird und der zuerst Verstorbene mangels Testaments im Wege der gesetzlichen Erfolge beerbt wird.

Welche Auswirkungen hat eine Scheidung auf ein gemeinschaftliches Testament?

Die Scheidung führt zur Unwirksamkeit des gemeinschaftlichen Testaments. Ebenfalls unwirksam wird das Testament, wenn das Scheidungsverfahren noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist, der Erblasser aber die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt hat.

Wer kann ein gemeinschaftliches Testament errichten?

Nur Ehegatten können ein gemeinschaftliches Testament errichten; nicht dagegen Verlobte oder in nichtehelicher Lebensgemeinschaft lebende Partner.

In welcher Form kann ein gemeinschaftliches Testament errichtet werden?

Ein gemeinschaftliches Testament kann sowohl als eigenhändiges privatschriftliches Testament als auch als notarielles Testament errichtet werden.

Wie errichtet man ein eigenhändiges gemeinschaftliches Testament?

Es wird in der Form errichtet, dass einer der Ehegatten den Text des Testaments eigenhändig schreibt und unterschreibt, und der andere Ehegatte ebenfalls den Text unterzeichnet. Ferner soll angegeben werden, wann und an welchem Ort das Testament errichtet worden ist.

Gibt es gegenüber dem Einzeltestament Besonderheiten, wenn man das gemeinschaftliche Testament in notarieller Form errichten will?

Nein. Man muss lediglich gemeinsam den Notar aufsuchen. Allerdings bekommt der Notar bei dieser Testamentsform zwei Gebühren.

Wem kann die Errichtung eines notariellen Testaments empfohlen werden?

Zunächst einmal jedem, der sich von einem Fachmann beraten lassen will. Weiter ist die Gefahr höchst gering, dass das einmal errichtete Testament von einer anderen Person verfälscht oder auf die Seite geschafft wird. Und wenn sich eine 16 Jahre alte Person entschließt, ein Testament zu errichten, kann dies nur in Form des notariellen Testaments geschehen. Auch Leseunkundige und Blinde können ihr Testament nur durch mündliche Erklärung gegenüber dem Notar errichten.

Was kann ein gemeinschaftliches Testament beinhalten?

Das gemeinschaftliche Testament kann dieselben Anordnungen enthalten wie ein Einzeltestament. Eine Besonderheit dieser Testamentsform besteht allerdings darin, dass auch sogenannte „wechselbezügliche Anordnungen“ möglich sind. Das sind Anordnungen, die ein Ehegatte genau deshalb trifft, weil auch der andere Ehegatte eine entsprechende Verfügung vornimmt. Gewissermaßen stehen also diese Anordnungen in einem Abhängigkeitsverhältnis.

Welche wechselbezüglichen Anordnungen sind möglich?

In Betracht kommen nur die Erbeinsetzung, das Vermächtnis und die Auflage.

Welche Wirkungen haben „wechselbezüglichen Anordnungen“?

Die Besonderheit von wechselbezüglichen Anordnungen besteht darin, dass sie gegenseitig bindend sind. Die Nichtigkeit oder der Widerruf der einen Verfügung hat automatisch die Unwirksamkeit der anderen zur Folge. Ein typischer Fall einer solchen Anordnung ist der, dass sich die Ehegatten wechselseitig zu Erben einsetzen.

Muss ein gemeinschaftliches Testament solche wechselbezüglichen Anordnungen enthalten?

Nein, ein gemeinschaftliches Testament kann auch derart inhaltlich gestaltet sein, dass keine Bindungen der Ehegatten bestehen.

Was ist ein „Berliner Testament“?

Beim Berliner Testament setzen sich die beiden Ehegatten wechselseitig zu Alleinerben ein. Erben des zuletzt Verstorbenen sollen dann die gemeinsamen Kinder oder nahe stehende dritte Personen sein. Wer nach dem überlebenden Ehegatten erbt, wird als „Schlusserbe“ bezeichnet.

Welche Nachteile sollte man bedenken, bevor man ein Berliner Testament errichtet?

Zwei Nachteile sind von Bedeutung:

  • Weil der Schlusserbe zunächst einmal von der Erbschaft ausgeschlossen ist und insoweit zunächst einmal eine recht schwache Stellung hat, könnte er geneigt sein, seinen Pflichtteil geltend zu machen. Dies könnte zu persönlichen Spannungen mit dem überlebenden Ehegatten führen und diesen vor allem, was die Auszahlung des Pflichtteils betrifft, in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen.
  • Die zweite Schwäche des Berliner Testaments ist erbschaftsteuerlich bedingt. Wenn nämlich die den Beteiligten zustehenden Freibeträge nicht nur unerheblich überschritten werden, wird dasselbe Vermögen zweimal der Erbschaftsteuer unterworfen.

Ist der überlebende Ehegatte durch das Berliner Testament in seinen testamentarischen Möglichkeiten, über seinen Nachlass frei zu verfügen, beschränkt?

Ist ein Ehegatte gestorben, kann der andere Ehegatte wechselbezügliche Verfügungen nicht mehr ändern. Er kann also keine anderen testamentarischen Verfügungen mehr treffen.

Gibt es eine Möglichkeit, dass auch nach dem Tod des Ehegatten der überlebende Ehepartner über seinen Nachlass abweichend von den im gemeinschaftlichen Testament erfolgten wechselbezüglichen Anordnungen verfügen kann?

Der überlebende Ehegatte hat nur die Möglichkeit, die Erbschaft auszuschlagen. In diesem Fall wird er nicht Erbe, gewinnt aber wieder die volle Entscheidungsfreiheit, was seinen Nachlass betrifft. Nach Ausschlagung der Erbschaft oder eines Vermächtnisses kann der überlebende Ehegatte wieder über seinen Nachlass neu verfügen.

Aufbewahrung des Testaments

Muss ein handschriftliches Testament an einem bestimmten Ort aufbewahrt werden?

Nein. Die Verwahrung seines eigenhändigen Testaments ist dem Erblasser nicht vorgeschrieben. Er kann sein Testament an jedem beliebigen Ort aufbewahren.

Kann man sein Testament auch an eine andere Person zur Verwahrung geben?

Ja. Nach § 2259 BGB ist die das Testament verwahrende Person verpflichtet, das Testament unverzüglich, nachdem sie von dem Tod des Erblassers Kenntnis erlangt hat, an das Nachlassgericht abzuliefern.

Sollte man sicherheitshalber eine andere Person über den Aufbewahrungsort des Testaments informieren?

Das ist zu empfehlen, weil andernfalls die Gefahr besteht, dass das Testament nicht oder erst längere Zeit nach dem Tod gefunden wird.

Kann man auch ein handschriftliches Testament in amtliche Verwahrung geben?

Ja, eine amtliche Verwahrung ist zwar nicht vorgeschrieben, aber jederzeit auf Verlangen des Erblassers vorzunehmen (§ 2248 BGB).

Warum ist es sicherer, auch ein handschriftliches Testament in amtliche Verwahrung zu geben?

Wenn das Testament im Haus aufbewahrt wird, besteht natürlich die Gefahr, dass es in falsche Hände gerät, und es beiseite geschafft wird. Insoweit gewährleistet die amtliche Verwahrung die Sicherung des Testaments, sie schützt vor Fälschungen und gewährleistet natürlich auch die Geheimhaltung.

Macht die amtliche Verwahrung eines handschriftlichen Testaments dieses Testament zu einem öffentlichen (notariellen) Testament?

Nein. Deshalb kann das handschriftliche Testament auch jederzeit aus der amtlichen Verwahrung genommen werden ohne dass dies Einfluss auf die Wirksamkeit des Testaments hat. Vgl. § 2256 Abs. 2, 3 BGB.

Bei welcher Stelle erfolgt die amtliche Verwahrung des Testaments?

Beim Amtsgericht, in Baden-Württemberg beim Notariat.

Warum ist sichergestellt, dass ein in amtliche Verwahrung gegebenen Testament nach dem Tod des Erblasser auf jeden Fall bekannt wird?

Das Amtsgericht (bzw. in Baden-Württemberg das Notariat), das ein Testament in amtliche Verwahrung genommen hat, informiert davon das Standesamt am Geburtsort des Erblassers. Da dieses Standesamt automatisch den Todesfall erfährt, ist sichergestellt, dass das Testament den Erben bekannt wird.

Wer verwahrt ein notarielles Testament?

Ein notarielles Testament wird automatisch vom zuständigen Amtsgericht, in Baden-Württemberg vom Notariat amtlich verwahrt.

Welche Folgen hat es, wenn im Falle einer amtlichen Verwahrung des Testaments beim Erbfall der Hinterlegungsschein nicht gefunden wird?

Das ist kein Problem, weil ja das für den Geburtsort des Erblassers zuständige Standesamt von der erfolgten Verwahrung benachrichtigt worden ist. Und dieses Standesamt verständigt wieder automatisch das Gericht bzw. in Baden-Württemberg das Notariat vom Tod des Erblassers.

Was kostet die amtliche Verwahrung eines Testaments?

Die Verwahrung eines Testaments beim Nachlassgericht kostet einmalig und pauschal 75,00 Euro.

Kann man ein handschriftliches Testament, das man in amtliche Verwahrung gegeben hat, jederzeit wieder zurücknehmen?

Der Erblasser kann jederzeit die Rückgabe des Testaments verlangen. Es darf aber nur dem Erblasser persönlich zurückgegeben werden. Vgl. § 2256 Abs. 2 BGB.

Welche Folgen hat es, wenn man ein in amtliche Verwahrung gegebenes handschriftliches Testament wieder zurücknimmt?

Für die Wirksamkeit des Testaments hat dies keine Folgen. Das in amtliche Verwahrung gegebene handschriftliche Testament bleibt auch dann wirksam, wenn es vom Erblasser wieder aus der amtlichen Verwahrung zurückgenommen wird. Vgl. § 2256 Abs. 3 BGB.

Welche Folgen hat es, wenn man ein notarielles Testament aus der amtlichen Verwahrung zurücknimmt?

Das Testament gilt als widerrufen. Der Widerruf ist dann endgültig; er kann also nicht durch eine neue amtliche Verwahrung des zurückgegebenen notariellen Testaments beseitigt werden. Vgl. § 2256 Abs. 1 BGB. Über die Folgen des Widerrufs muss der Erblasser belehrt werden.

Widerruf und Änderung des Testaments

Kann man ein Testament widerrufen?

Ja. Das Widerrufsrecht des Erblassers ist in § 2253 BGB ausdrücklich verankert. Das Widerrufsrecht ist Ausdruck der Testierfreiheit, nach der der Erblasser über sein Vermögen nach seinem Belieben (auch willkürlich) von Todes wegen verfügen kann.

Könnte sich jemand in einem Vertrag verpflichten, sein Testament zu widerrufen?

Nein, eine Verpflichtung zum Widerruf des Testaments kann vertraglich nicht wirksam begründet werden. Eine entsprechende vertragliche Regelung wäre unwirksam. Vgl. § 2302 BGB.

Welche Möglichkeiten gibt es, ein Testament zu widerrufen?

Das Gesetz sieht vier Widerrufsmöglichkeiten vor:

  • Errichtung eines Widerrufstestaments (§ 2254 BGB);
  • Vernichtung des Testaments (§ 2255 BGB);
  • Rücknahme des Testaments aus der notariellen Verwahrung (§ 2256 (BGB);
  • Errichtung eines neuen Testaments mit widersprechendem (§ 2258 BGB).

Andere Möglichkeiten, ein Testament zu widerrufen, gibt es nicht.

Welche Folgen hat ein Widerruf des Testaments?

Der Widerruf des Testaments hat zur Folge, dass die letztwilligen Verfügungen in diesem Testament wieder aufgehoben werden. Damit gilt wieder die gesetzliche Erbfolge.

Welches ist die sicherste Form, ein privatschriftlich errichtetes Testament zu widerrufen?

Die sicherste Form, ein privatschriftliches Testament zu widerrufen, ist die, das Testament zu vernichten, zu zerreißen, zu verbrennen, durchzustreichen, einen Ungültigkeitsvermerk anzubringen oder zu zerknüllen. Dann kann man sicher sein, dass die früheren testamentarischen Verfügungen keine Geltung mehr haben.

Wie kann man ein notarielles Testament widerrufen?

Ein notarielles Testament kann man einfach in der Form widerrufen, dass man es von der amtlichen Verwahrung zurücknimmt. Der Erblasser kann jederzeit die Rücknahme des notariellen Testaments aus der amtlichen Verwahrung verlangen. Er ist dann aber über die Folgen der Rücknahme zu belehren. Das Testament darf nur an den Erblasser persönlich zurückgegeben werden. Vgl. § 2256 BGB.

Welches Testament gilt, wenn man ein neues Testament errichtet, das frühere Testament aber nicht aufgehoben hat, im neuen Testament vom alten aber nicht erwähnt?

Wenn mehrere Testamente des Erblassers bestehen, dann ist zunächst zu prüfen, ob sie in ihrer Gesamtheit den Willen des Erblassers repräsentieren und sich ergänzen oder ob spätere Verfügungen inhaltlich zu Verfügungen im früheren Testament im Widerspruch stehen. Widersprechen sich Verfügungen inhaltlich, dann gilt die frühere Verfügung als aufgehoben (§ 2258 BGB). Die Aufhebungswirkung geht aber nur so weit, als der Widerspruch besteht.

Können die Ehegatten auch ein gemeinschaftliches Testament widerrufen?

Wenn sich beide Ehegatten einig sind, können sie jederzeit ihr Testament gemeinschaftlich widerrufen. Dabei können sie ein gemeinschaftliches Widerrufstestament errichten oder in einem neuen gemeinschaftlichen Testament abweichende Verfügungen treffen. Auch die gemeinsame Rücknahme des notariellen Testaments aus der amtlichen Verwahrung bewirkt die Aufhebung des gemeinschaftlichen Testaments.

Kann auch nur ein Ehepartner seine Anordnungen in einem gemeinschaftlichen Testament widerrufen, wenn der andere Ehegatte noch lebt?

Soweit keine wechselbezüglichen Verfügungen betroffen sind, kann auch nur ein Ehepartner seine Verfügungen in einem gemeinschaftlichen Testament jederzeit widerrufen. Für den Widerruf stehen dem Ehepartner die allgemeinen Formen (z. B. Widerrufstestament oder Errichtung eines neuen Testaments mit abweichenden Anordnungen) zur Verfügung. Will jedoch ein Ehepartner eine wechselbezügliche Verfügung widerrufen, dann kann er das nur durch notariell beurkundete Erklärung gegenüber dem anderen Ehegatten tun. Die Widerrufserklärung wird aber erst wirksam, wenn sie dem anderen Ehegatten zugegangen ist. Die Folge des wirksamen Widerrufs einer wechselbezüglichen Verfügung durch einen Ehepartner ist automatisch die Unwirksamkeit der entsprechenden Verfügung des anderen Partners. Vgl. § 2271 BGB.

Wie ist es, wenn der Ehegatte verstorben ist: Kann der überlebende Ehepartner dann noch seine Verfügungen in einem gemeinschaftlichen Testament widerrufen?

Wenn einer der Ehegatten verstorben ist, ist der überlebende Partner an den des gemeinschaftlichen Testaments gebunden. § 2271 Abs. 2 BGB bestimmt ausdrücklich, dass das Recht zum Widerruf einer wechselbezüglichen Verfügung mit dem Tod des anderen Ehegatten erlischt. Der überlebende Ehepartner hat dann nur noch die Möglichkeit, die Erbschaft oder ein ihm zugewandtes Vermächtnis auszuschlagen. Dann gewinnt er wieder die volle Entscheidungsfreiheit über sein Vermögen.

Kann man Anordnungen in einem Testament auch einfach in der Form ändern, dass man in einem neuen Testament einfach andere Verfügungen trifft?

Ja, denn durch die Errichtung eines neuen Testaments wird ein früheres Testament insoweit aufgehoben, als das spätere Testament mit dem früheren in Widerspruch steht (§ 2258 BGB). Ein Widerspruch liegt dann vor, wenn die testamentarischen Verfügungen sachlich miteinander nicht vereinbar sind. Allerdings ist das frühere Testament nur insoweit aufgehoben, als ein Widerspruch von Verfügungen im neuen Testament mit denen im früheren besteht. Im Übrigen bleibt das frühere Testament wirksam.

Kann man auch die Rücknahme des notariellen Testaments widerrufen und damit die Wirksamkeit des Testaments wieder herstellen?

Die Rücknahme eines notariellen Testaments ist endgültig. Das zurückgenommene Testament muss also wieder neu errichtet werden, damit die Verfügungen wieder Geltung erlangen.

Kann man auch die Rücknahme des notariellen Testaments widerrufen und damit die Wirksamkeit des Testaments wieder herstellen?

Die Rücknahme eines notariellen Testaments ist endgültig. Das zurückgenommene Testament muss also wieder neu errichtet werden, damit die Verfügungen wieder Geltung erlangen.

Kann man durch ein privatschriftliches Testament auch ein notariell errichtetes Testament widerrufen?

Ja, das ist möglich. Das Widerrufstestament bedarf nicht der gleichen Form wie das zu widerrufende Testament. Ein notarielles Testament kann also auch durch ein privatschriftliches Testament widerrufen werden und umgekehrt.

Kann man ein Testament auch einfach in der Form widerrufen, dass man ein neues Testament errichtet, in dem steht, dass man „das Testament vom … widerruft“?

Ja, man spricht in diesem Fall von einem Widerrufstestament (§ 2254 BGB). Auch das Widerrufstestament muss aber den Formerfordernissen eines privatschriftliches Testaments entsprechen, also unter anderem vom Erblasser eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein.

Einmal angenommen, der Erblasser hat sein früheres Testament durch ein neues Testament widerrufen. Kann er jetzt auch sein „Widerrufstestament“ widerrufen?

Ja, das ist möglich. Vgl. § 2257 BGB.

Welche Folgen hat der Widerruf des Widerrufstestaments?

Im Zweifel tritt das ursprüngliche Testament wieder in Kraft. Der Rechtszustand ist also der, wie wenn das frühere Testament nie widerrufen worden wäre.

Kann man ein Testament, das man bereits errichtet hat, später noch ergänzen oder muss man, wenn man Ergänzungen vornehmen will, ein insgesamt neues Testament errichten?

Änderungen in einem bestehenden Testament können jederzeit vorgenommen werden. Wenn allerdings die Änderung oder Ergänzung im Widerspruch zu einer früheren Verfügung steht, gilt die frühere Verfügung als aufgehoben. Es gilt also immer das, was der Erblasser zuletzt angeordnet hat.

Kann man Verfügungen in einem Testament auch einfach in der Form ändern, dass man bestimmte Wörter durchstreicht und ersetzt?

Ja, man kann Anordnungen durchstreichen oder mit einem Ungültigkeitsvermerk versehen. Bei bloßen Streichungen müssen die formellen Anforderungen an die Errichtung eines Testaments dann nicht eingehalten werden, wenn die Streichung selbst keine positive Verfügung enthält.

Ist es zu empfehlen, ein Testament durch Streichungen, Ergänzungen oder Zusätze zu ändern?

Man sollte immer bedenken, dass das Testament bedeutende rechtliche und wirtschaftliche Wirkungen hat. Deshalb sollte man alles vermeiden, was zu Verwirrungen und zu einer unklaren Rechtslage führen kann. Am besten ist es, wenn man ein neues Testament errichtet; insbesondere ist dies dann sinnvoll, wenn man mehrere Änderungen, Ergänzungen oder Zusätze vornehmen will.

Muss man bei Änderungen oder Ergänzungen des Testaments eine bestimmte Form beachten?

Ja, es gelten die Formvorschriften für die Errichtung des Testaments. Die Änderung oder der Zusatz muss also vom Erblasser eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein. Ferner sollen Ort und Datum der Errichtung angegeben werden (§ 2247 BGB).

Kann man ein Testament, das man zerrissen oder durchgestrichen hat, weil man es nicht mehr aufrechterhalten will, dadurch wieder wirksam werden lassen, dass man es zusammenklebt oder die Streichungen mit Pünktchen versieht?

Nein, weil ein neues Testament nur unter Beachtung der gesetzlichen Formvorschriften als eigenhändiges Testament wieder hergestellt werden kann.

Kann man sein Testament auch dann ändern oder widerrufen, wenn man dem eingesetzten Erben gegenüber ausdrücklich auf den Widerruf oder auf eine Änderung verzichtet hat?

Die Testierfreiheit kann außer durch gemeinschaftliches Testament und Erbvertrag nicht beschränkt werden. Deshalb kann man ein errichtetes Testament jederzeit ändern oder widerrufen, selbst wenn man einem Dritten gegenüber auf Änderungen oder den Widerruf verzichtet hat. Ein Verzicht auf die Möglichkeit, ein Testament zu widerrufen, wäre unwirksam. Vgl. § 2302 BGB.

Nottestament

Was versteht man unter einem „Nottestament“?

Als Nottestament wird eine besondere Form eines Testaments bezeichnet, die in Betracht kommt, weil aus bestimmten Gründen die Errichtung eines notariellen Testaments ausnahmsweise nicht möglich ist.

Ist die Errichtung eines Nottestaments sinnvoll?

In aller Regel dürfte es sinnvoller sein, ein privatschriftliches Testament zu errichten und das Testament einer vertrauenswürdigen Person anzuvertrauen.

Wann kommt ein Nottestament in Betracht?

Ein Nottestament kommt nur dann in Betracht, wenn es dem Erblasser ausnahmsweise nicht möglich ist, ein notarielles Testament zu errichten. Nottestamente sind also außerordentliche Testamentsformen.

Welche Nottestamente kennt das Gesetz?

Das BGB kennt als Nottestament

  • das Bürgermeistertestament (§§ 2249, 2250 Abs. 1 BGB) und
  • das Dreizeugentestament (§ 2250 Abs. 1, 3 BGB).

Das Seetestament (§ 2251 BGB) ist zwar eine außerordentliche Testamentsform, aber kein Nottestament, da es keine Notlage voraussetzt.

Kann ein außerordentliches Testament unter Umständen auch über drei Monate nach seiner Errichtung noch Gültigkeit haben?

Ja, wenn es zugleich den Erfordernissen eines privatschriftlichen Testaments entspricht.

Unter welchen Umständen kann vor drei Zeugen ein Nottestament errichtet werden?

  • Bei naher Todesgefahr, wenn die Errichtung des Testaments vor dem Bürgermeister nicht mehr möglich ist (§ 2250 Abs. 2 BGB,
  • bei Absperrung eines Ortes als Folge außerordentlicher Umstände wie Hochwasser oder Verschüttung, wenn die Errichtung des Testaments vor einem Notar nicht möglich oder erheblich erschwert ist (§ 2250 Abs. 1 BGB).

In welcher Form muss das „Dreizeugentestament“ errichtet werden?

Der Erblasser muss vor drei Zeugen mündlich seinen letzten Willen erklären. Zu seinen Lebzeiten muss hierüber eine Niederschrift angefertigt werden. Diese Niederschrift muss dem Erblasser vorgelesen, von ihm genehmigt und unterschrieben werden. Vgl. § 2250 Abs. 3 BGB.

Welche Folgen hat es, wenn gegen gesetzliche Erfordernisse im Zusammenhang mit dem Errichtungsakt verstoßen worden ist?

Die Nichtbeachtung von wesentlichen Erfordernissen des Errichtungsakts sind nicht heilbar. Das Testament ist nichtig. Unheilbare Fehler in diesem Sinne liegen beispielsweise vor, wenn keine Zeugen zugezogen worden sind, wenn Zeugen nicht dauerhaft anwesend waren oder wenn die gefertigte Niederschrift nicht vorgelesen worden ist.

Welche Folgen haben Formverstöße bei der Errichtung des Dreizeugentestaments?

Formverstöße, die bei der Abfassung der Niederschrift unterlaufen sind, sind für die Gültigkeit des Testaments unschädlich. Vgl. §§ 2250 Abs. 3 Satz 2, 2249 Abs. 6 BGB. Dagegen führen Formverstöße im Zusammenhang mit dem Errichtungsakt zur Ungültigkeit des Testaments. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn die Zeugen während der Erklärung des Erblassers nicht ständig anwesend waren, oder wenn die Erklärung dem Erblasser nicht vorgelesen oder von ihm genehmigt worden ist.

Wann kann man statt vor einem Notar vor dem Bürgermeister ein Testament errichten?

Vor dem Bürgermeister kann ein Testament dann errichtet werden,

  • wenn zu befürchten ist, dass der Erblasser früher sterben werde, als die Errichtung eines Testaments vor einem Notar möglich ist (§ 2249 BGB),
  • wenn sich eine Person an einem Ort aufhält, der infolge außerordentliche Umstände derart abgesperrt ist, dass die Errichtung eines Testaments vor einem Notar nicht möglich oder erheblich erschwert ist (§ 2250 Abs. 1 BGB).

In welcher Form wird das Testament vor dem Bürgermeister errichtet?

Der Erblasser erklärt vor dem Bürgermeister und den Zeugen seinen letzten Willen entweder durch mündliche Erklärung, die in eine Niederschrift aufzunehmen ist, oder durch Übergabe einer offenen oder verschlossenen Schrift mit der Erklärung, dass sie seinen letzten Willen enthalte. Anschließend fertigt der Bürgermeister über die Testamentserrichtung eine Niederschrift, die dann in Anwesenheit des Erklärenden und der Zeugen vorgelesen wird. Der Erklärende muss die ihm vorgelesene Niederschrift genehmigen. Dann ist die genehmigte Niederschrift vom Erblasser, dem Bürgermeister und den beiden Zeugen zu unterschreiben. Vgl. § 2249 Abs. 1 BGB.

Welche Folge haben Formverstöße, die bei der Abfassung der Niederschrift unterlaufen, für das Nottestament beim Bürgermeister?

Formverstöße, die bei der Abfassung der Niederschrift unterlaufen sind unschädlich, wenn gleichwohl eine zuverlässige Wiedergabe des letzten Willens anzunehmen ist. Vgl. § 2249 Abs. 6 BGB. Das wäre etwa der Fall, wenn die Besorgnis der Todesgefahr nicht festgestellt worden ist oder wenn die Mitwirkenden ungenau bezeichnet worden sind.

Kann auch ein Erbvertrag vor dem Bürgermeister abgeschlossen werden?

Nein, einen „Not“-Erbvertrag kennt das Gesetz nicht; er kann nur zur Niederschrift eines Notars abgeschlossen werden, § 2276 BGB.

Können Ehegatten auch ein gemeinschaftliches Testament als Nottestament vor dem Bürgermeister errichten?

Ja, das sogenannte Bürgermeistertestament kann auch als gemeinschaftliches Testament von Ehegatten errichtet werden.

Welche Folgen hat es, wenn vor dem Bürgermeister ein Nottestament errichtet worden ist, die gesetzliche Voraussetzung aber dafür nicht vorlag, weil die Errichtung vor einem Notar möglich gewesen wäre?

Dieser Umstand hat keine Auswirkungen auf die Gültigkeit des Testaments. Vgl. § 2249 Abs. 2 Satz 2 BGB.

Welche Personen müssen bei einem Testament vor dem Bürgermeister mitwirken?

Mitwirken muss der Bürgermeister des Aufenthaltsortes; er übernimmt die Rolle des Notars. Befugt ist auch der gesetzliche Vertreter des Bürgermeisters, nicht jedoch sonstige Gemeindeangestellte. Weiterhin muss der Bürgermeister zwei Zeugen zur Beurkundung zuziehen. Ungeeignet und ausgeschlossen als Zeugen sind allerdings die im Nottestament Bedachten (§ 2249 Abs. 1 Satz 3 BGB).

Was ist unter einem „Seetestament“ zu verstehen?

Das Seetestament ist eine außerordentliche Testamentsform, die während einer Seereise dann in Betracht kommt, wenn sich der Erblasser außerhalb eines inländischen Hafens befindet.

Wie wird ein Seetestament errichtet?

Das Seetestament wird durch mündliche Erklärung vor drei Zeugen errichtet. Insoweit gelten die gesetzlichen Regelungen über das Dreizeugentestament. Vgl. §§ 2251, 2250 Abs. 3 BGB.

Kann ein Seetestament auch in einem ausländischen Hafen errichtet werden?

Ja, der Aufenthalt in ausländischen Häfen zählt zur Seereise, solange der Erblasser an Bord ist.

Kann ein Seetestament auch während einer kurzen Vergnügungsfahrt errichtet werden?

Nein, kurze Vergnügungsfahrten oder Sportfahrten zählen ebenso wie Fischereifahrten nicht zu „Seereisen“.

Wie lange hat das Bürgermeistertestament, das Dreizeugentestament und das Seetestament Gültigkeit?

Diese außerordentlichen Testamente haben nur vorläufigen Charakter und werden deshalb drei Monate nach ihrer Errichtung unwirksam, wenn der Erblasser noch lebt. Vgl. § 2252 BGB.

Kosten des Testaments

Nach welcher Rechtsgrundlage werden Gebühren erhoben?

Die Gebühren richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz vom 23.7.2013.

Wann entstehen im Zusammenhang mit einem Testament Kosten?

Kosten entstehen für den Erblasser nur dann, wenn er ein notarielles Testament errichtet oder wenn er ein privatschriftliches Testament in amtliche Verwahrung gibt.

Welche Faktoren sind für die Höhe der Gebühr maßgebend?

Die Kosten richten sich zunächst danach, ob für die Amtshandlung ¼, ½, 1 oder 2 Gebühren fällig werden und dann nach dem Geschäftswert, das heißt nach dem Wert des Nachlasses.

Wie wirken sich Schulden des Erblassers auf die Gebührenhöhe aus?

Schulden reduzieren den Wert des Nachlasses und damit auch die jeweilige Gebühr.

Welche Gebühr stellt der Notar für die Beurkundung eines notariellen Testaments in Rechnung?

Für die Beurkundung eines notariellen Testaments ist eine volle Gebühr zu bezahlen.

Was kostet die notarielle Beurkundung des Testaments, wenn der Wert des Nachlasses … beträgt?

Nachlasswert Gebühr
19.000 Euro 99,00 Euro
50.000 Euro  165,00 Euro
80.000 Euro  219,00 Euro
110.000 Euro  273,00 Euro
200.000 Euro  435,00 Euro
290.000 Euro  585,00 Euro
380.000 Euro  735,00 Euro
500.000 Euro  935,00 Euro
700.000 Euro  1.255,00 Euro

Welche Gebühr wird fällig bei der Beurkundung eines gemeinschaftlichen Testaments?

Die Beurkundung eines gemeinschaftlichen Testaments kostet 2 Gebühren.

Was kostet die notarielle Beurkundung eines gemeinschaftlichen Testaments, wenn der Wert des Nachlasses … beträgt?

Nachlasswert Gebühr
19.000 Euro 198,00 Euro
50.000 Euro  330,00 Euro
80.000 Euro  438,00 Euro
110.000 Euro  546,00 Euro
200.000 Euro  870,00 Euro
290.000 Euro  1.170,00 Euro
380.000 Euro  1.470,00 Euro
500.000 Euro 1.870,00 Euro
700.000 Euro  2.510,00 Euro

Welche Gebühr wird fällig für die amtliche Verwahrung eines Testaments?

Die Verwahrung eines Testaments beim Nachlassgericht kostet einmalig und pauschal 75,00 Euro.

Die persönlichen Voraussetzungen für die Errichtung eines Testaments

Ist für die Errichtung eines Testaments ein bestimmtes Alter erforderlich?

Ja. Ein handschriftliches Testament kann nur errichten, wer volljährig ist, wer also das 18. Lebensjahr vollendet hat. Andernfalls ist das Testament unwirksam.

Wird ein handschriftliches Testament, das von einer Person errichtet worden ist, die noch nicht volljährig war, automatisch mit der Volljährigkeit wirksam?

Nein. Ein solches Testament ist auf jeden Fall unwirksam. Es ist auch nicht genehmigungsfähig. Das Testament muss vielmehr nach Erreichen der Volljährigkeit neu errichtet werden.

Kann unter Umständen auch eine Person, die noch nicht volljährig ist, ein Testament wirksam errichten?

Wenn eine Person noch nicht das 16. Lebensjahr vollendet hat, kann sie auf keinen Fall ein eigenhändiges Testament errichten.

Eine Person, die das 16. Lebensjahr vollendet hat, kann aber ein sogenanntes notarielles Testament errichten. Dafür kommen zwei Formen in Betracht:

  • Die gebräuchlichste Form ist die, dass man dem Notar seinen letzten Willen erklärt; der Notar fertigt dann eine Niederschrift, die man unterschreibt.
  • Man kann aber auch dem Notar eine offene Schrift mit dem Hinweis übergeben, dass diese Schrift den letzten Willen enthalte. Darüber nimmt dann der Notar ein Protokoll auf. Übrigens muss das dem Notar übergebene Schriftstück nicht eigenhändig geschrieben sein; das Schriftstück kann also etwa auch mit Schreibmaschine geschrieben sein.

Kann auch eine Person, die noch nicht 16 Jahre alt ist, ein Testament errichten?

Nein, unter keinen Umständen.

Benötigt ein Minderjähriger, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, für die Errichtung eines notariellen Testaments die Einwilligung seiner Eltern?

Nein. Es ist weder die Zustimmung der Eltern noch sonstiger gesetzlicher Vertreter erforderlich.

Kann auch eine kranke Person ein Testament errichten?

Auch eine kranke Person kann selbstverständlich ein Testament errichten. Nur wenn der Erkrankte gesundheitsbedingt nicht weiß, was er erklärt, oder wenn er den oder die Bedeutung seiner Erklärung nicht erkennt, kann er kein wirksames Testament errichten. Wenn also der Betreffende „nicht weiß, was er tut“ fehlt es ihm an der Testierfähigkeit. Der Gesetzgeber nennt als Ursachen dafür „krankhafte Störung der Geistestätigkeit, Geistesschwäche oder Bewusstseinsstörung“.

Kann man sich bei der Errichtung eines handschriftlichen Testaments von anderen Personen (z. B. von den Kindern) beraten lassen, ohne dass dies zur Unwirksamkeit des Testaments führt?

Ja, natürlich. Sinnvoll ist es ohnehin, mit den nächsten Familienangehörigen die Nachlassplanung indiviuell Lebenssituationen durch Erbvertrag zu erörtern. Und insbesondere steht auch ein fachkundiger Anwalt für eine professionelle Beratung zur Verfügung.

Wer muss gegebenenfalls beweisen, wenn Zweifel daran bestehen, dass eine Person zu dem Zeitpunkt, als sie ihr Testament errichtete, die notwendige Einsichtsfähigkeit besaß?

Immer derjenige, der sich auf die Unwirksamkeit des Testaments beruft, muss die fehlende Testierfähigkeit beweisen. Ganz sicher geht man in Zweifelsfällen, wenn man vor Errichtung eines Testaments einen Arzt hinzuzieht, der die Testierfähigkeit in einem Attest bestätigt.

Kann auch eine andere Person damit beauftragt werden, für jemanden ein Testament zu errichten?

Nein. Ein Testament ist ein höchstpersönliches Rechtsgeschäft. Damit ist Stellvertretung ausgeschlossen. Ein von einem Dritten errichtetes Testament ist in jedem Fall unwirksam.

Das handschriftliche oder eigenhändige Testament

Welche generellen Möglichkeiten bestehen, ein Testament zu errichten?

Ein wirksames Testament kann man in zwei Formen errichten:

  • Einmal als handschriftliches (eigenhändiges) Testament),
  • zum anderen unter Einbeziehung eines Notars als öffentliches (notarielles) Testament).

Was muss man beachten, wenn man ein eigenhändiges Testament errichten will?

Das handschriftliche Testament kann ohne Einschaltung eines Notars oder irgendwelcher Urkundsbehörden oder Stellen errichtet werden. Nach § 2247 Abs. 1 BGB ist es nur notwendig, dass es „eigenhändig geschrieben und unterschrieben“ ist. Das bedeutet, dass es mit Hand geschrieben und mit Vor- und Familiennamen unterschrieben wird. Es soll weiter angegeben werden, wann und an welchem Ort das Testament errichtet worden ist.

Kann ich den Text des Testaments auch mit Schreibmaschine oder per PC aufsetzen?

Nein, auf keinen Fall. Es ist erforderlich, dass der gesamte Text des Testaments handschriftlich verfasst wird. Die Verwendung einer Schreibmaschine führt ebenso zur Unwirksamkeit wie der Einsatz eines PC. Übrigens wäre auch ein auf Tonband gesprochenes Testament ungültig.

Wo muss die Unterschrift im Testament stehen?

Die Unterschrift muss unter dem Text stehen, denn nur so sind sämtliche Anordnungen vom Willen des Verfassers erfasst. Würde die Unterschrift im Text stehen, würde sie die Anordnungen danach nicht mehr umfassen. Diese hätten dann keine Gültigkeit. Das gilt auch für Ergänzungen und Zusätze zum Testament.

Muss man die testamentarischen Anordnungen mit Vor- und Familiennamen unterschreiben?

Das BGB (§ 2247 Abs. 3) sagt, dass die Unterschrift den Vornamen und den Familiennamen des Erblassers enthalten „soll“. „Soll“ heißt nicht „muss“. Das bedeutet, dass auch ein Testament, das nicht mit dem Vor- und Familiennamen unterschrieben worden ist, wirksam sein kann. Allerdings muss der Schriftzug des Unterzeichners dessen Identität erkennen lassen, charakteristische Merkmale aufweisen, sich als Wiedergabe seines Namens darstellen und die Absicht einer vollen Unterschriftsleistung erkennen lassen.

Ist ein Testament auch dann wirksam, wenn man es nur mit einem Namenskürzel oder mit einer Familienbezeichnung wie zum Beispiel „Euer Vater“ oder „Eure Tante Klara“ unterzeichnet hat?

Diese Frage kann man nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Auf jeden Fall aber kann auch ein Pseudonym oder ein Kosename als Unterschrift genügen, wenn diese der Familie bekannt sind. Das Testament muss, wie gesagt, nicht mit dem vollen Vor- und Familiennamen unterschrieben sein. Auch andere Bezeichnungen sind möglich, sofern die Identität des das Testament Errichtenden eindeutig ist. Gleichwohl wird empfohlen, den Text mit vollem Vor- und Familiennamen zu unterschreiben, weil dann keine Zweifel an der Identität und der Ernsthaftigkeit der Erklärung entstehen und die Gültigkeit des Testaments damit nicht in Frage gestellt werden kann.

Ist das Testament auch wirksam, wenn es nicht mit Orts- und Datumsangabe versehen ist?

Die Orts- und Datumsangabe ist keine Wirksamkeitsvoraussetzung für das Testament. Nach § 2247 Abs. 2 BGB „soll“ angegeben werden, wann und an welchem Ort das Testament errichtet wurde. Ein Testament ist also auf jeden Fall auch dann gültig, wenn der Ort und das Datum nicht angegeben worden sind.

Warum ist die Datumsangabe im Testament so wichtig?

Im Erbrecht gilt folgender Grundsatz: Wenn mehrere Testamente vorliegen und sich der Inhalt dieser Testamente widerspricht, dann gilt allein das zuletzt errichtete Testament. Ein undatiertes Testament muss dann auf jeden Fall immer zurückstehen. Deshalb sollte ein Testament unbedingt mit dem Datum versehen werden. Damit ist gewährleistet, dass immer das zuletzt errichtete Testament dem letzten Willen entspricht.

Können Streichungen oder Verbesserungen im Text die Wirksamkeit des Testaments beeinträchtigen?

Nein. Wenn das Testament vom Verfasser selbst handschriftlich geschrieben und unterschrieben worden ist, sind die gesetzlichen Voraussetzungen für die Wirksamkeit erfüllt. Das BGB verlangt kein „formvollendetes“ Testament. Streichungen und Verbesserungen sind also in rechtlicher Hinsicht kein Problem.

In welcher Form müssen Verbesserungen oder Zusätze im Testament angebracht sein, damit sie wirksam werden?

Verbesserungen und Zusätze bedürfen derselben Form wie das Testament. Sie müssen also wieder selbst vom Verfasser geschrieben worden sein. Insbesondere bei Ergänzungen des Testaments muss man beachten, dass sie selbst mit der Hand geschrieben und unterschrieben und mit Ort und Datum versehen sind.

Kann unter Umständen auch ein Brief als Testament angesehen werden?

Nach allgemeiner Auffassung kann auch ein Brief ein wirksames Testament darstellen, wenn er verbindliche Anordnungen trifft und die formellen Voraussetzungen für ein Testament erfüllt.

Kann eine Person, die unter Betreuung steht, wirksam ein Testament errichten oder bedarf sie hierfür der Einwilligung ihres Betreuers?

Allein die Tatsache, dass eine Person unter Betreuung steht, hindert sie nicht an der Errichtung eines wirksamen Testaments. Sie bedarf dafür auch nicht der Einwilligung ihres Betreuers. Nur wenn der betreuten Person die notwendige Einsichtsfähigkeit fehlt kann sie wirksam kein Testament errichten.

Wo kann man ein handschriftliches Testament aufbewahren?

An jedem beliebigen Ort. Das Testament kann in oder außerhalb der Wohnung verwahrt werden. Auf jeden Fall sollte aber eine vertrauenswürdige Person vom Aufenthaltsort wissen. Denn nur so ist gewährleistet, dass es nach dem Tod gefunden und beim Nachlassgericht abgeliefert wird.

Kann man das handschriftliche Testament auch einer vertrauenswürdigen Person übergeben?

Ja, natürlich. Diese Person wäre dann beim Erbfall verpflichtet, das Testament dem Nachlassgericht zu übergeben. Andernfalls würde der Straftatbestand der Urkundenunterdrückung vorliegen.

Ist es sinnvoll, das Testament in amtliche Verwahrung zu geben?

Im Prinzip schon. Denn schließlich weiß man nicht, wie diejenigen, die nach dem Todesfall auf das Testament Zugriff haben, mit dem Inhalt des Testaments zufrieden sind. Wie gesagt, ist der Straftatbestand der Urkundenunterdrückung erfüllt, wenn man ein Testament nach dem Todesfall nicht dem Nachlassgericht übergibt. Aber „wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter“. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, dann sollte man das Testament in amtliche Verwahrung geben und die Verwahrungskosten nicht scheuen.

Entstehen bei der amtlichen Verwahrung des Testaments Kosten?

Die Verwahrung eines Testaments beim Nachlassgericht kostet einmalig und pauschal 75,00 Euro.

Ist es ein Problem, wenn einem der Hinterlegungsschein abhanden gekommen ist?

Nein. Selbst wenn der Hinterlegungsschein beim Erbfall nicht gefunden wird, ist gewährleistet, dass das Testament den Erben bekannt wird. Das Amtsgericht, das ein Testament in Verwahrung genommen hat, informiert nämlich davon das Standesamt am Geburtsort der betreffenden Person. Nachdem das Standesamt automatisch den Todesfall erfährt, informiert diese Behörde wiederum im Sterbefall sofort das Amtsgericht.

Wenn man ein in amtliche Verwahrung gegebenes handschriftlichesTestament zurückholt, ändert sich dann etwas an der Wirksamkeit des Testaments?

Nein. Wenn man ein handschriftliches Testament in amtliche Verwahrung gegeben hat, kann man es jederzeit zurückholen, ohne dass sich an seiner Wirksamkeit etwas ändert. Das gilt aber nicht, für ein notarielles Testament.

Das notarielle oder öffentliche Testament

Was muss man unter einem „notariellen“ oder „öffentlichen“ Testament verstehen?

Ein notarielles oder öffentliches Testament ist ein Testament, das vor einem Notar errichtet wird. Dem Notar obliegt es in diesem Zusammenhang insbesondere, den Erblasser zu beraten. Insbesondere in komplizierten Fällen, aber auch einfach deshalb, weil man beim Testament auf Nummer sicher gehen will, kann ein solches Testament unter Beiziehung eines Notars sinnvoll sein.

Welche Vorteile hat ein notarielles Testament?

Der wesentliche Vorteil des notariellen Testaments besteht darin, dass man bei Bedarf vom Notar eingehend beraten wird. Deshalb kann auch der Notar haftbar gemacht werden, wenn zum Beispiel das Testament nichtig ist. Nachdem das notarielle Testament amtlich verwahrt wird, besteht auch keine Möglichkeit, dass das Testament verfälscht oder später im Todesfall aus der Welt geschafft wird.

Hat das notarielle Testament auch Nachteile?

Ein Nachteil ist, dass dem Erklärenden bei der Errichtung eines notariellen Testaments Kosten entstehen. Ferner kann sich diese Form des Testaments dann nachteilig auswirken, wenn man das Testament ändern will. In diesem Fall muss man dann das Testament aus der amtlichen Verwahrung holen oder wieder den Notar einschalten. Die Änderung eines handschriftlichen Testaments ist nicht mit einem solchen Aufwand verbunden.

Welche Möglichkeiten bestehen, ein notarielles Testament zu errichten?

Wer zu einem Notar geht, um dort ein Testament zu errichten, hat drei Wahlmöglichkeiten:

  • Die gebräuchlichste Form ist die, dass man seinen „letzten Willen“ dem Notar gegenüber mündlich erklärt.
  • Man kann dem Notar auch ein offenes Schriftstück überreichen mit dem Hinweis, dabei handele es sich um den letzten Willen.
  • Schließlich kann man dem Notar auch ein verschlossenes Schriftstück mit dem Hinweis übergeben, dass es sich dabei um den letzten Willen handele.

Was kostet ein notarielles Testament?

Die Kosten richten sich nach dem Wert des Nachlasses. Für die Beurkundung eines notariellen Testaments ist nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz eine volle Gebühr zu entrichten. Bei einem Nachlasswert von zum Beispiel 25.000 Euro beläuft sich die Gebühr auf 115 Euro, von 50.000 Euro auf 165 Euro, von 200.000 Euro auf 435 Euro. Die Kosten können vorab beim Notariat erfragt werden.

Wenn man gegenüber dem Notar sein Testament mündlich erklären will, wie geht das vor sich?

Zunächst einmal erfolgt vom Notar eine eingehende Beratung. Danach erklärt man dem Notar seinen „letzten Willen“. Dieser legt sodann die Erklärung schriftlich nieder. Das Protokoll wird vorgelesen und vom Testierenden und vom Notar unterschrieben. Damit ist das Testament errichtet. Das Testament gibt der Notar in amtliche Verwahrung.

Muss man volljährig sein, wenn man dem Notar ein verschlossenes Schriftstück als Testament übergibt?

Ja. Die Vollendung des 16. Lebensjahres reicht nur für die Errichtung eines notariellen Testaments in der Form aus, dass das Testament gegenüber dem Notar mündlich erklärt oder durch Übergabe einer offenen Schrift errichtet wird.

Muss das Schriftstück, das man dem Notar übergibt, handschriftlich abgefasst sein?

Nein. Nach § 2232 Satz 2 BGB braucht die Schrift nicht vom Erblasser geschrieben zu sein. Das Testament in dieser Form kann also auch mit Schreibmaschine oder einem Textverarbeitungsprogramm erstellt worden sein.

Muss man volljährig sein, wenn man dem Notar ein offenes Schriftstück als Testament übergibt?

Nein, ein Testament in dieser Form kann auch von einer Person errichtet werden, der das 16. Lebensjahr vollendet hat.

Was passiert, wenn man dem Notar ein verschlossenes Schriftstück als Testament übergibt?

Auch in diesem Fall errichtet der Notar eine Niederschrift, die vom Testierenden und vom Notar unterschrieben wird. Das Testament geht dann in amtliche Verwahrung.

Muss man volljährig sein, wenn man ein notarielles Testament in der Form errichtet, dass man seinen letzten Willen gegenüber dem Notar erklärt?

Nein, es reicht aus, wenn man das 16. Lebensjahr vollendet hat. § 2229 Abs. 1 BGB.

Was passiert, wenn man dem Notar ein offenes Schriftstück als Testament übergibt?

Man übergibt dem Notar ein offenes Schriftstück, in dem man seinen letzten Willen niedergeschrieben hat. Der Notar nimmt die Schrift entgegen. Er nimmt ein Protokoll auf, in dem er auf das Schriftstück verweist und festhält, dass es sich dabei um das Testament handelt. Diese Niederschrift wird dann vom Testierenden und vom Notar unterschrieben. Das Testament gibt der Notar in amtliche Verwahrung.

Welche Folgen hat es, wenn ich ein notarielles Testament aus der amtlichen Verwahrung nehme?

Wenn ein notarielles Testament aus der amtlichen Verwahrung genommen wird, gilt dies nach § 2256 BGB automatisch als Widerruf. Daran würde auch eine gegenteilige Erklärung desjenigen, der das Testament errichtet hat, nichts ändern.