Deutsche Vereinigung für Erbrecht
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Schenkungs- und Erbschaftssteuer

Steuergegenstand und Steuerschuldner

Von wem kann das Finanzamt eine Erbschaftsteuererklärung verlangen?

Von jedem an dem Erbfall Beteiligten, ohne Rücksicht darauf, ob er selbst steuerpflichtig ist. Die Frist zur Abgabe der Erklärung muss mindestens einen Monat betragen. Die Steuererklärung hat ein Verzeichnis der zum Nachlass gehörenden Gegenstände und die sonstigen für die Feststellung des Gegenstands und des Werts des Erwerbs erforderlichen Unterlagen zu enthalten. Vgl. § 31 Erbschaftsteuergesetz.

Wer schuldet die Erbschaftsteuer?

Steuerschuldner, also der zur Zahlung der Erbschaftsteuer Verpflichtete, ist grundsätzlich der Erwerber. Vgl. § 20 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wer ist Steuerschuldner, wenn eine Gütergemeinschaft zwischen dem überlebenden Ehegatten und den Kindern fortgesetzt wird?

In diesem Fall ist jeder Abkömmling entsprechend seinem Anteil an der fortgesetzten Gütergemeinschaft Steuerschuldner; der überlebende Ehegatte ist hinsichtlich des gesamten Steuerbetrags der Abkömmlinge Steuerschuldner. Vgl. § 20 Abs. 2 Erbschaftsteuergesetz.

Wer haftet für die Erbschaftsteuer?

Bis zur Teilung des Nachlasses haftet der ganze Nachlass. Er kann für die Steuer aller am Erbfall Beteiligten in Anspruch genommen werden. Vgl. § 20 Abs. 3 Erbschaftsteuergesetz.

Welche Vorgänge sind erbschaftsteuerpflichtig?

Erbschaftsteuerpflichtig sind die Erwerbe von Todes wegen. Vgl. § 1 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Was gilt als Erwerb von Todes wegen?

Als Erwerb von Todes wegen gilt insbesondere der Erwerb

  • durch Erbanfall,
  • aufgrund eines Erbersatzanspruchs,
  • durch Vermächtnis,
  • aufgrund eines geltend gemachten Pflichtteilsanspruchs,
  • durch Schenkung auf den Todesfall.

Vgl. § 3 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz

Welcher Erwerb von Todes wegen ist steuerfrei?

Steuerfrei bleiben unter anderem

  • Hausrat einschließlich Wäsche und Kleidungsstücke beim Erwerb durch Personen der Steuerklasse I, soweit der Wert insgesamt 41.000 Euro nicht übersteigt, beim Erwerb durch Personen, die den Steuerklassen II und III angehören, soweit der Wert insgesamt 12.000 Euro nicht übersteigt,
  • andere bewegliche körperliche Gegenstände (z. B. Auto, Schmuck) beim Erwerb durch Personen der Steuerklasse I, soweit der Wert insgesamt 12.000 Euro nicht übersteigt,
  • ein Erwerb, der Eltern, Adoptiveltern, Stiefeltern oder Großeltern des Erblassers anfällt, sofern der Erwerb zusammen mit dem übrigen Vermögen des Erwerbers 41.000 Euro nicht übersteigt und der Erwerber infolge körperlicher oder geistiger Gebrechen und unter Berücksichtigung seiner bisherigen Lebensstellung als erwerbsunfähig anzusehen ist,
  • übliche Gelegenheitsgeschenke,
  • Rentenansprüche der Hinterbliebenen aus der Sozialversicherung
  • Zuwendungen an Kirchen, gemeinnützige Vereine und politische Parteien.

Vgl. im Einzelnen die Aufzählung in den §§ 13, 13a Erbschaftsteuergesetz.

Wann erstreckt sich die Erbschaftsteuerpflicht auf den gesamten Nachlass?

Die unbeschränkte Steuerpflicht für den gesamten Erbanfall tritt ein,

  • für alle Erwerbe aus dem Nachlass eines inländischen Erblassers, auch wenn der Erwerber kein Inländer ist,
  • für alle Erwerbe von Inländern, die von einem nicht als Ausländer geltenden Erblasser stammen.

Inländer sind alle natürlichen Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland sowie Körperschaften oder Personenvereinigungen, die ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben. Vgl. § 2 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wann besteht nur eine beschränkte Erbschaftsteuerpflicht?

Wenn weder der Erblasser noch der Erwerber Inländer sind, tritt Erbschaftsteuerpflicht ein, soweit Inlandsvermögen durch Erbfall von einem Nichtinländer auf einen Nichtinländer übergeht. Zum Inlandsvermögen gehören unter anderem das inländische land- und forstwirtschaftliche Vermögen, das inländische Grundvermögen, das inländische Betriebsvermögen, Anteile an einer inländischen Kapitalgesellschaft

Inwieweit unterliegt der Vorerbe der Erbschaftsteuerpflicht?

Der Vorerbe gilt als Erbe; er hat den vollen Wert des Erbanfalls zu versteuern. Vgl. § 6 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Inwieweit unterliegt der Nacherbe der Erbschaftsteuerpflicht?

Der Nacherbe wird erst bei Eintritt des Nacherbfalls Erbe des Erblassers, und unterliegt erst dann der Steuerpflicht. Es kommt damit zu einer zweifachen steuerpflichtigen Übertragung desselben Vermögens. Eine Anrechnung der vom Vorerben entrichteten Steuer kommt nicht in Betracht. Auf Antrag ist allerdings der Versteuerung das Verwandtschaftsverhältnis des Nacherben zum Erblasser zugrunde zu legen. Vgl. § 6 Abs. 2 Erbschaftsteuergesetz.

Wann entsteht die Erbschaftsteuer bei gesetzlicher oder testamentarischer Erbfolge?

Die Erbschaftsteuer entsteht zum Zeitpunkt des Erwerbs, in diesem Fall mit dem Tod des Erblassers. Vgl. § 9 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wann entsteht die Steuer bei einem Erbvertrag?

Die Erbschaftsteuer entsteht zum Zeitpunkt des Erwerbs, in diesem Fall mit dem Tod des Erblassers. Vgl. § 9 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wann entsteht die Erbschaftsteuer, wenn die Erbeinsetzung unter einer Bedingung oder Befristung erfolgt ist?

Die Erbschaftsteuer entsteht zum Zeitpunkt des Erwerbs, in diesem Fall bei Eintritt der Bedingung oder Befristung. Vgl. § 9 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wann entsteht die Erbschaftsteuer bei einem Pflichtteilsanspruch?

Die Erbschaftsteuer entsteht zum Zeitpunkt des Erwerbs, in diesem Fall bei Geltendmachung des Anspruchs. Vgl. § 9 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wann entsteht die Erbschaftsteuer bei einem Vermächtnis?

Die Erbschaftsteuer entsteht zum Zeitpunkt des Erwerbs, in diesem Fall mit dem Tod des Erblassers. Vgl. § 9 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wann entsteht die Erbschaftsteuer bei einer Auflage?

Die Erbschaftsteuer entsteht zum Zeitpunkt des Erwerbs, in diesem Fall mit dem Zeitpunkt der Vollziehung der Auflage. Vgl. § 9 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wer ist gegenüber dem Finanzamt über den Erwerb einer Erbschaft anzeigepflichtig?

Jeder, der aufgrund eines Erbfalls aus dem Nachlass eine Zuwendung erhält, die der Erbschaftsteuer unterliegt, hat die Pflicht, dies innerhalb von drei Monaten nach Anfall dem Finanzamt anzuzeigen. Ist ein Testamentsvollstrecker oder Nachlasspfleger vorhanden, ist die Steuererklärung von diesem abzugeben. Vgl. § 30 Erbschaftsteuergesetz.

Welche Angaben soll die Anzeige enthalten?

Die Anzeige soll enthalten:

  • Vorname und Familiennamen, Beruf, Wohnung des Erblassers und des Erwerbers,
  • Todestag und Sterbeort des Erblassers,
  • Gegenstand und Wert des Erwerbs,
  • Rechtsgrund des Erwerbs wie gesetzliche Erbfolge, Vermächtnis,
  • persönliches Verhältnis des Erwerbers zum Erblasser wie Verwandtschaft oder Schwägerschaft,
  • frühere Zuwendungen des Erblassers an den Erwerber nach Art, Wert und Zeitpunkt der einzelnen Zuwendung.

Vgl. § 30 Abs. 4 Erbschaftsteuergesetz.

Inwieweit besteht eine Anzeigepflicht für Banken?

Kreditinstitute sind verpflichtet, das Vermögen, das sie beim Tod des Eigentümers in Gewahrsam haben, dem Finanzamt anzuzeigen. Vgl. § 33 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Inwieweit besteht eine Anzeigepflicht für Versicherungsunternehmen?

Versicherungsunternehmen haben, bevor sie Versicherungssummen oder Leibrenten einem anderen als dem Versicherungsnehmer auszahlen oder zur Verfügung stellen, hiervon dem Finanzamt Anzeige zu erstatten. Vgl. § 33 Abs. 3 Erbschaftsteuergesetz.

Inwieweit besteht eine Anzeigepflicht für Behörden, Gerichte oder Notare?

Standesämtern obliegt die Anzeige von Sterbefällen, Gerichten und Notaren die Erteilung von Erbscheinen, Testamentsvollstreckerzeugnissen und Zeugnissen über die Fortsetzung der Gütergemeinschaft und die Anordnung von Nachlasspflegschaften und Nachlassverwaltungen, ferner die Eröffnung einer Verfügung von Todes wegen und die Abwicklung eines Erbauseinandersetzungsvertrags. Vgl. § 34 Erbschaftsteuergesetz.

Steuerklassen und Steuersätze

Nach welcher Rechtsgrundlage richtet sich die Besteuerung?

Rechtsgrundlage ist das Erbschaftsteuer- Schenkungsteuergesetz vom 17.4.1974, in der Fassung vom 27.2.1997.

Nach welchen Grundsätzen orientiert sich die Besteuerung?

Größere Vermögen werden prozentual stärker belastet als kleinere.

  • Entferntere Verwandte oder Personen, die mit dem Erblasser nicht verwandt sind, zahlen mehr Steuern als der überlebende Ehegatte und die nächsten Verwandten.
  • Keine Erbschaftsteuer ist für Freibeträge zu zahlen, deren Höhe sich nach der Nähe zum Verstorbenen richtet.

Welche Umstände sind für die Höhe der Erbschaftsteuer maßgebend?

Die Höhe der Erbschaftsteuer hängt ab

  • von der Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs,
  • dem Steuerfreibetrag und
  • der Steuerklasse.

Ist es für die Höhe der Erbschaftsteuer von Bedeutung, ob jemand im Wege der gesetzlichen Erbfolge oder durch eine letztwillige Verfügung Erbe wird?

Nein, das hat in Bezug auf die Erbschaftsteuer keine Bedeutung.

Was ist unter dem steuerpflichtigen Erwerb zu verstehen?

Der steuerpflichtige Erwerb bezeichnet die Bereicherung des Erwerbers, soweit sie nicht steuerfrei ist. Vgl. § 10 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Welche Bedeutung haben Nachlassverbindlichkeiten Einfluss auf die Höhe der Erbschaftsteuer?

Nachlassverbindlichkeiten verringern das Nachlassvermögen und damit die zu zahlende Erbschaftsteuer.

Welche Besonderheit besteht bei einem Erbschaftserwerb durch Erwerbsunfähige?

Erbschaftsteuerfrei ist ein Erwerb, der Eltern, Adoptiveltern, Stiefeltern oder Großeltern des Erblassers anfällt, steuerfrei, sofern der Erwerb zusammen mit dem übrigen Vermögen des Erwerbers 41.000 Euro nicht übersteigt und der Erwerber infolge körperlicher oder geistiger Gebrechen und unter Berücksichtigung seiner bisherigen Lebensstellung als erwerbsunfähig anzusehen ist oder durch die Führung eines gemeinsamen Hausstands mit erwerbsunfähigen oder in der Ausbildung befindlichen Abkömmlingen an der Ausübung einer Erwerbstätigkeit gehindert ist. Vgl. § 13 Abs. 1 Nr. 6 Erbschaftsteuergesetz.

Welche Besonderheit hinsichtlich der Steuerklasse gilt beim sogenannten Berliner Testament?

Für das gemeinschaftliche Testament regelt § 15 Abs. 3 Erbschaftsteuergesetz eine Besonderheit. Beim Berliner Testament setzen sich Ehegatten gegenseitig zum Erben ein, gleichzeitig bestimmen sie auch ihren gemeinsamen Erben. Der gemeinsame Erbe erbt dann das gesamte Vermögen der Eheleute als Erbe der zuletzt Verstorbenen. Für die Besteuerung nach den allgemeinen Regelungen wäre dann also die Steuerklasse maßgebend, in die der Erbe aufgrund seines Verwandtschaftsverhältnisses zu dem zuletzt verstorbenen Ehegatten fällt. Dieses Ergebnis ist aber für die Fälle unbillig, in denen das Vermögen von dem zuerst verstorbenen Ehegatten stammt und der Erbe aufgrund seines Verwandtschaftsverhältnisses zu diesem Ehegatten in eine günstigere Steuerklasse fällt. Daher sieht das Erbschaftsteuergesetz vor, dass die Besteuerung auf Antrag des Erben insoweit nach der günstigeren Steuerklasse durchzuführen ist.

Welche Vermögensgegenstände aus dem Nachlass sind erbschaftsteuerfrei?

Steuerfrei bleiben unter anderem

  • Hausrat einschließlich Wäsche und Kleidungsstücke beim Erwerb durch Personen der Steuerklasse I, soweit der Wert insgesamt 41.000 Euro nicht übersteigt, beim Erwerb durch Personen, die den Steuerklassen II und III angehören, soweit der Wert insgesamt 12.000 Euro nicht übersteigt,
  • andere bewegliche körperliche Gegenstände (z. B. Auto, Schmuck) beim Erwerb durch Personen der Steuerklasse I, soweit der Wert insgesamt 12.000 Euro nicht übersteigt,
  • ein Erwerb, der Eltern, Adoptiveltern, Stiefeltern oder Großeltern des Erblassers anfällt, sofern der Erwerb zusammen mit dem übrigen Vermögen des Erwerbers 41.000 Euro nicht übersteigt und der Erwerber infolge körperlicher oder geistiger Gebrechen und unter Berücksichtigung seiner bisherigen Lebensstellung als erwerbsunfähig anzusehen ist,
  • übliche Gelegenheitsgeschenke,
  • Rentenansprüche der Hinterbliebenen aus der Sozialversicherung
  • Zuwendungen an Kirchen, gemeinnützige Vereine und politische Parteien.

Vgl. im Einzelnen die Aufzählung in den §§ 13, 13a Erbschaftsteuergesetz.

Inwieweit ist die Übertragung selbstgenutzten Wohneigentums steuerfrei?

Die Übertragung selbstgenutzten Wohneigentums an den Ehepartner ist unabhängig vom Wert steuerfrei. Das gleiche gilt für eingetragene Lebenspartner. Wenn der überlebende Ehepartner bzw. der eingetragene Lebenspartner die Immobilie komplett steuerfrei erben will, muss er sie aber zehn Jahre lang selbst bewohnen (er darf sie also nicht vermieten). Wenn er früher auszieht, muss er die Steuer nachzahlen. Ist ein Kind des Erblassers Erbe des Wohneigentums, so ist die Übertragung nur dann erbschaftsteuerfrei, wenn die Immobilie maximal 200 qm groß ist. Darüber hinaus muss Erbschaftsteuer gezahlt werden, abzüglich des persönlichen Freibetrags von 400.000 Euro. Die für den überlebenden Ehegatten geltende Zehnjahresfrist gilt auch für Kinder.

Sind gesetzliche Ansprüche der Hinterbliebenen aus der Sozialversicherung erbschaftsteuerpflichtig?

Nein; derartige gesetzliche Ansprüche fallen nicht in den Anwendungsbereich des Erbschaftsteuergesetzes. Dasselbe gilt für eine zusätzliche betriebliche Altersversorgung, sofern diese insbesondere auf Betriebsvereinbarung oder betriebliche Übung beruhte.

In welche Steuerklassen werden die Erwerber eingeteilt?

Das Erbschaftsteuergesetz unterscheidet drei Steuerklassen für die Erben (genauer: Erwerber von Todes wegen). Vgl. § 15 Erbschaftsteuergesetz. Je nach Steuerklasse und Wert des steuerpflichtigen Erwerbs ergeben sich dann unterschiedliche Prozentsätze für die Erbschaftsteuer.

Wer gehört der Steuerklasse I an?

Zur Steuerklasse I zählen

  • der Ehegatte,
  • eheliche und nichteheliche Kinder
  • Adoptivkinder und Stiefkinder (nicht Pflegekinder),
  • die Abkömmlinge der Kinder und Stiefkinder, also die Enkel, Urenkel usw.),
  • die Eltern und Großeltern bei einer Erbschaft (nicht bei einer Schenkung),
  • der eingetragene (gleichgeschlechtliche) Lebenspartner).

Welche Steuersätze gelten für die Steuerklasse I?

In der Steuerklasse I wird die Erbschaftsteuer nach folgenden Vomhundertsätzen erhoben:

  • Bis einschließlich 75.000 Euro 7 Prozent,
  • bis einschließlich 300.000 Euro 11 Prozent,
  • bis einschließlich 600.000 Euro 15 Prozent,
  • bis einschließlich 6.000.000 Euro 19 Prozent,
  • bis einschließlich 13.000.000 Euro 23 Prozent,
  • bis einschließlich 26.000.000 Euro 27 Prozent,
  • über 26.000.000 Euro 30 Prozent.

Vgl. § 19 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wer gehört der Steuerklasse II an?

Zur Steuerklasse II gehören

  • Eltern und Großeltern, wenn sie Empfänger einer Schenkung sind,
  • Geschwister,
  • Neffen und Nichten,
  • Schwiegerkinder und Schwiegereltern,
  • der geschiedene Ehegatte.

Welche Steuersätze gelten für die Steuerklasse II?

In der Steuerklasse II wird die Erbschaftsteuer nach folgenden Vomhundertsätzen erhoben:

  • Bis einschließlich 75.000 Euro 15 Prozent,
  • bis einschließlich 300.000 Euro 20 Prozent,
  • bis einschließlich 600.000 Euro 25 Prozent,
  • bis einschließlich 6.000.000 Euro 30 Prozent,
  • bis einschließlich 13.000.000 Euro 35 Prozent,
  • bis einschließlich 26.000.000 Euro 40 Prozent,
  • über 26.000.000 Euro 43 Prozent.

Vgl. § 19 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Wer gehört der Steuerklasse III an?

Zu Steuerklasse III zählen

  • alle entfernteren Verwandte (Cousins und Cousinen, Großnichten und Großneffen),
  • beliebige dritte Personen wie Pflegekinder, der nichteheliche Lebenspartner, Freunde und Bekannte.

Welche Steuersätze gelten für die Steuerklasse III?

In der Steuerklasse II wird die Erbschaftsteuer nach folgenden Vomhundertsätzen erhoben:

  • Bis einschließlich 75.000 Euro 30 Prozent,
  • bis einschließlich 300.000 Euro 30 Prozent,
  • bis einschließlich 600.000 Euro 30 Prozent,
  • bis einschließlich 6.000.000 Euro 30 Prozent,
  • bis einschließlich 13.000.000 Euro 50 Prozent,
  • bis einschließlich 26.000.000 Euro 50 Prozent,
  • über 26.000.000 Euro 50 Prozent.

Vgl. § 19 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Welcher Steuersatz gilt für den Nacherben?

Der Nacherbe wird behandelt, als ob er Erbe vom Vorerben geworden wäre. Vgl. § 6 Abs. 2 Erbschaftsteuergesetz. Für seinen Steuersatz ist also sein Verhältnis zum Vorerben maßgebend.

Welche Folgen hat es, wenn der Nachlass eine bestimmte Wertgrenze also beispielsweise 75.000 Euro oder 300.000 Euro übersteigt?

In diesem Fall wird dann der ganze Erwerb nach dem hierfür maßgebenden Prozentsatz besteuert.

Was versteht man unter dem sogenannten Härteausgleich?

Der Härteausgleich besagt, dass von dem über eine Wertgrenze hinausgehenden Betrag dem Erwerber mindestens die Hälfte bleiben muss, wenn er einem Steuersatz von bis zu 30 Prozent unterlag. Im Falle eines höheren Steuersatzes müssen wenigstens drei Viertel bleiben. Vgl. § 19 Abs. 3 Erbschaftsteuergesetz.

Steuerfreibeträge

Was sind Steuerfreibeträge?

Steuerfreibeträge sind Beträge, die aus der Besteuerung herausgenommen sind.

Welche Freibeträge unterscheidet das Erbschaftsteuerrecht?

Es wird zwischen

  • allgemeinen Freibeträgen und
  • besonderen (personenbezogenen) Freibeträgen

unterschieden.

Wonach richten sich die allgemeinen Freibeträge?

Die allgemeinen Freibeträge richten sich nach der Nähe zum Erblasser und der Steuerklasse.

Wie hoch ist der allgemeine Steuerfreibetrag des überlebenden Ehegatten?

Der allgemeine Freibetrag des überlebenden Ehegatten beträgt 500.000 Euro. Vgl. § 16 Erbschaftsteuergesetz.

Wie hoch ist der allgemeine Steuerfreibetrag der Kinder und Stiefkinder und der Enkel des Verstorbenen?

Der allgemeine Freibetrag der Kinder und Enkelkinder, deren Eltern verstorben sind, sowie für Stief- und Adoptivkinder beträgt 200.000 Euro. Für Enkelkinder beträgt der allgemeine Freibetrag 200.000 Euro.

Wie hoch ist der allgemeine Steuerfreibetrag der Geschwister, Neffen und Nichten, Stiefeltern, Schwiegerkinder und Schwiegereltern und des geschiedenen Ehegatten des Verstorbenen?

Sie haben einen allgemeinen Freibetrag von 20.000 Euro.

Wie hoch ist der allgemeine Freibetrag des nichtehelichen Lebenspartners des Verstorbenen?

Der nichteheliche Partner hat nur einen allgemeinen Freibetrag von 20.000 Euro. Vgl. § 16 Erbschaftsteuergesetz.

Welchen Freibetrag kann der Nacherbe geltend machen?

Der Nacherbe wird behandelt, als ob er Erbe vom Vorerben geworden wäre. Vgl. § 6 Abs. 2 Erbschaftsteuergesetz. Für seinen Freibetrag ist also sein Verhältnis zum Vorerben maßgebend.

Auf welchen Zeitraum bezieht sich der allgemeine Steuerfreibetrag?

Der allgemeine Steuerfreibetrag bezieht sich auf einen Zeitraum von zehn Jahren. Er kann also alle zehn Jahre erneut in Anspruch genommen werden. Mehrere Zuwendungen innerhalb von zehn Jahren werden zusammengerechnet.

Wer erhält neben dem allgemeinen Freibetrag noch einen besonderen Versorgungsfreibetrag?

Neben dem allgemeinen Freibetrag erhalten

  • der überlebende Ehegatte und
  • die Kinder des Verstorbenen

einen besonderen Versorgungsfreibetrag. Dieser Versorgungsfreibetrag wird dem allgemeinen Freibetrag hinzugerechnet.

Wie hoch ist der besondere Versorgungsfreibetrag des überlebenden Ehegatten?

Der Versorgungsfreibetrag des überlebenden Ehegatten beträgt 256.000 Euro. Vgl. § 17 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz. Er wird dem allgemeinen Freibetrag von 500.000 Euro hinzugerechnet, so dass dem überlebenden Ehegatten insgesamt ein Steuerfreibetrag von 756.000 Euro zusteht.

Wie hoch ist der besondere Versorgungsfreibetrag der Kinder?

Bei Kindern ist der Versorgungsfreibetrag je nach Alter gestaffelt; je jünger das Kind, umso höher ist der Versorgungsfreibetrag. Neben dem allgemeinen Freibetrag wird Kindern ein besonderer Versorgungsfreibetrag in folgender Höhe gewährt:

  • bei einem Alter bis zu 5 Jahren in Höhe von 52.000 Euro;
  • bei einem Alter von mehr als 5 bis 10 Jahren in Höhe von 41.000 Euro;
  • bei einem Alter von mehr als 10 bis 15 Jahren in Höhe von 30.700 Euro;
  • bei einem Alter von mehr als 15 bis 20 Jahren in Höhe von 20.500 Euro;
  • bei einem Alter von mehr als 20 Jahren bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres in Höhe von 10.300 Euro.

Der jeweilige Versorgungsbeitrag wird dem den Kindern zustehenden allgemeinen Freibetrag von 400.000 Euro hinzugerechnet. Vgl. § 17 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Um welche Beträge werden die Versorgungsfreibeträge des überlebenden Ehegatten und der Kinder gekürzt?

Die Versorgungsfreibeträge des überlebenden Ehegatten und der Kinder werden um den Kapitalwert der nicht der Erbschaftsteuer unterliegenden Hinterbliebenenrente gekürzt. Vgl. § 17 Abs. 1, 2 Erbschaftsteuergesetz.

Was gehört zu den Hinterbliebenenbezügen?

Zu den Hinterbliebenen gehören insbesondere gesetzliche Renten, Pensionen und berufsständische Pflichtversicherungen.

Wie wird der Kapitalwert der Hinterbliebenenbezüge berechnet?

Wie der Kapitalwert zu ermitteln ist, sagt § 14 Bewertungsgesetz. Der Jahresbetrag der Rente wird mit der dem Lebensalter entsprechenden Zahl in der Tabelle zu § 14 Bewertungsgesetz multipliziert.

Wie hoch ist der Kapitalwert der Hinterbliebenenbezüge bei einer …-jährigen Witwe bei einer Pension von 20.000 Euro jährlich?

Alter der Witwe Kapitalwert
55 265.420 Euro
60 240.680 Euro
65 212.020 Euro
70 179.800 Euro

Der jeweilige Betrag wäre vom personenbezogenen besonderen Versorgungsfreibetrag von 256.000 Euro abzuziehen. Insoweit kommt also dem Versorgungsfreibetrag im Ergebnis keine besonders große Rolle zu.

Wie hoch ist der Kapitalwert der Hinterbliebenenversorgung bei einem …-jährigen Witwer bei einer Pension von 12.000 Euro jährlich?

Alter der Witwer Kapitalwert
55 141.108 Euro
60 125.376 Euro
65 108.228 Euro
70 90.132 Euro

Bewertung des Nachlasses

Welches Vermögen wird bei der Erbschaftsteuer besteuert?

Besteuert wird nur das „Nettovermögen“, das der Erbe tatsächlich erwirbt. Nachlassverbindlichkeiten werden abgezogen, so dass sich die Erbschaftsteuer nach dem Wert berechnet, der dem Erben tatsächlich verbleibt. Das ist dann die „Bereicherung“, die als Bemessungsgrundlage für die Erbschaftsteuer maßgebend ist. Die Bereicherung des Erwerbers ergibt sich aus der Summe der an ihn übergegangenen Vermögenswerte abzüglich der abziehbaren und bewertungsfähigen Belastung, die durch den erbschaftsteuerpflichtigen Vorgang für ihn entstanden ist.

Unterliegt auch das Auslandsvermögen der Erbschaftsteuer?

Ja, soweit ein Steuerinländer Vermögen außerhalb der Bundesrepublik besitzt, wird dieses gleichfalls der Erbschaftsteuer unterworfen. Vgl. § 1 Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz.

Auf welcher Rechtsgrundlage erfolgt die Bewertung der Nachlassgegenstände?

Maßgebend ist das Erbschaftsteuergesetz (§§ 10 ff,) und das Bewertungsgesetz vom 16.10.1934 in der Bekanntmachung vom 1.2.1991 (BGBl. I Seite 230).

Welcher Zeitpunkt ist für die Bewertung der Nachlassgegenstände maßgebend?

Stichtag für die Bewertung des Nachlasses ist der Zeitpunkt des Erwerbs, das ist bei gesetzlicher oder testamentarischer Erbfolge, bei einem Erbvertrag und einem Vermächtnis der Tag, an dem der Erblasser verstorben ist, beim Pflichtteilsanspruch der Tag, an dem der Anspruch geltend gemacht worden ist, und bei einer Auflage der Tag, an dem der durch die Auflage Begünstigte die Leistung erhält. Vgl. § 11 Erbschaftsteuergesetz. Werterhöhungen oder Wertminderungen, die nach diesem Stichtag eintreten, sind auf die Bewertung ohne Einfluss.

Wie wird Grundvermögen bewertet?

In der Umsetzung einer Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts werden seit 2009 ausnahmslos alle Vermögenswerte mit ihrem wirklichen Wert, das heißt mit ihrem Verkehrswert, bewertet. Die Auswirkungen fallen je nach Grundstücksart unterschiedlich aus und müssen nicht zwingend zu einer höheren steuerlichen Belastung führen. Hierbei sind drei verschiedene Verfahren vorgesehen:

  • Bei Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Eigentumswohnungen wird der Preis vorrangig aus Verkäufen vergleichbarer Immobilien herangezogen, sofern diese in genügender Anzahl vorliegen. Das wird vorrangig beim Wohneigentum möglich sein. Anstelle von Verkaufspreisen können auch von den Gutachterausschüssen ermittelte Vergleichsfaktoren für geeignete Bezugseinheiten herangezogen werden. Besonderheiten, insbesondere Wert beeinflussende Belastungen werden nicht berücksichtigt.
  • Ansonsten kommen Ertragswerte zum Ansatz, die wie bisher die erzielbaren Mieten berücksichtigen. Dabei kommt es durch Vervielfältiger über den derzeitigen Faktor 12,5 und der Hinzurechnung für den Grund und Boden zu einer höheren Bemessungsgrundlage.
  • Sofern auch diese Methode nicht anwendbar ist, greift ein Sachwertverfahren mit der Summe aus den Herstellungskosten aller auf dem Grundstück vorhandenen Anlagen sowie der Bodenwert.

Bei Mietobjekten greift das Ertragswertverfahren, wonach der Wert auf Grundlage des nachhaltig erzielbaren Ertrags ermittelt wird. Davon gibt es einen pauschalen Abschlag von 10 Prozent für zu Wohnzwecken vermietete Gebäude, selbst wenn diese Nutzung unmittelbar nach dem Übergang aufgegeben wird.

Wie sind Wertpapiere im Nachlass zu bewerten?

Wertpapiere werden nach dem Kurswert bewertet. Sie werden mit dem niedrigsten am Bewertungsstichtag für sie im amtlichen Handel notierten Kurs angesetzt. Wenn am Stichtag keine Notierung vorliegt, ist der letzte innerhalb von 30 Tagen vor dem Stichtag im amtlichen Handel notierte Kurs maßgebend. Vgl. § 11 Abs. 1 Bewertungsgesetz.

Wie erfolgt die Bewertung von Investmentanteilen?

Sie sind mit dem Rücknahmepreis anzusetzen. Vgl. § 11 Abs. 4 Bewertungsgesetz.

Wie werden Beteiligungen bewertet?

Für Beteiligungen ist der gemeine Wert anzusetzen, das heißt der Wert, zu welchem die Beteiligung am Todestag hätte veräußert werden können. Vgl. § 11 Abs. 2 Bewertungsgesetz. Üblich ist es, diesen Wert nach der sogenannten Ertragswertmethode zu ermitteln.

Welche Bedeutung haben Nachlassverbindlichkeiten für die Erbschaftsteuer?

Abzugsfähige Nachlassverbindlichkeiten vermindern den steuerpflichtigen Erwerb und haben damit für den Steuerpflichtigen eine geringere Erbschaftsteuer zur Folge.

Welche Nachlassverbindlichkeiten werden unterschieden?

Bei den abzugsfähigen Nachlassverbindlichkeiten ist zu unterscheiden zwischen

  • den Erblasserschulden, die noch vom Verstorbenen herrühren, und
  • den Erbfallschulden als die den Erben treffenden Verbindlichkeiten.

Was sind Erbfallschulden?

Erbfallschulden sind Schulden, die mit dem Erbfall entstehen. Dazu gehören Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen, Auflagen und geltend gemachten Pflichtteilen und Erbersatzansprüchen, die Kosten der Bestattung des Erblassers, die Kosten für ein angemessenes Grabdenkmal und die Kosten für die übliche Grabpflege. Vgl. § 10 Abs. 5 Erbschaftsteuergesetz.

Was sind Erblasserschulden?

Erblasserschulden sind Schulden, die vom Erblasser herrühren. Dazu gehören beispielsweise Unterhaltsverpflichtungen, Steuerschulden und andere Schulden des Verstorbenen.

Welche Schulden sind nicht abzugsfähig?

Schulden sind insoweit nichts abzugsfähig, als sie in wirtschaftlichem Zusammenhang mit Vermögensgegenständen stehen, die nicht der Erbschaftsteuer unterliegen. Vgl. § 10 Abs. 6 Erbschaftsteuergesetz.

Ist die vom Erben zu entrichtende eigene Erbschaftsteuer abzugsfähig?

Nein; § 10 Abs. 8 Erbschaftsteuergesetz.