Deutsche Vereinigung für Erbrecht
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Erbengemeinschaft

Im Regelfall erbt nicht ein Alleinerbe, sondern mehrere Erben. Soweit der Erblasser kein Testament errichtet hat, gilt gesetzliche Erbfolge mit der Folge, dass eine Erbengemeinschaft entsteht. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der verheirate Erblasser kein Testament errichtet und sein Vermögen seinem Ehegatten und seinen Kindern hinterlässt. In diesem Fall wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen der Erben. Er fällt den Erben als Ganzes ungeteilt zu.

Mehrheit von Erben

Die Erbengemeinschaft entsteht kraft Gesetzes, wenn die Erbschaft an mehrere Erben anfällt. Keine Bedeutung hat, ob der Erwerb auf gesetzlicher Erbfolge oder auf einem Testament oder einem Erbvertrag beruht. Mitglieder der Erbengemeinschaft, als Miterben, sind also entweder die gesetzlichen oder die durch Verfügung von Todes wegen berufenen Erben. Verstirbt nach Entstehen der Erbengemeinschaft ein Miterbe, so tritt hinsichtlich seines Anteils sein Erbe an seine Stelle.

Gesamthandsgemeinschaft

Die Erbengemeinschaft ist eine sogenannte Gesamthandsgemeinschaft. Der Nachlass geht als Ganzes ungeteilt auf die Miterben über; er wird gemeinschaftliches Vermögen der Miterben. Als Sondervermögen ist er vom Privatvermögen des einzelnen Miterben getrennt. Das gilt entsprechend auch für die Nachlassverbindlichkeiten. Jeder Miterbe hat am Nachlass den durch die gesetzliche Erbfolge bzw. durch das Testament bestimmten Anteil.

 

Tipp:

  • Dem Miterben einer Erbengemeinschaft steht aber kein bestimmter Bruchteil zu; vielmehr gehören alle Gegenstände des Nachlasses den Miterben gemeinschaftlich. Der einzelne Miterbe hat also kein Teilrecht an einem Nachlassgegenstand. Alle Miterben zusammen bilden eine Gesamthandsgemeinschaft, jeder einzelne ist also Eigentümer, aber nur mit den anderen zusammen. Deshalb kann auch ein Miterbe allein über einzelne Nachlassgegenstände oder über seinen Anteil daran nicht verfügen.

Beispiel: Eine Erbengemeinschaft besteht aus vier Miterben, denen jeweils ein Anteil von einem Viertel am Nachlass zusteht. Besteht der Nachlass aus vier Grundstücken, so steht nicht jedem Miterben ein Grundstück zu; vielmehr können die Miterben über jedes Grundstück im Nachlass nur gemeinsam, das heißt zur gesamten Hand, verfügen.

Beendigung

Die Erbengemeinschaft endet mit der Teilung des Nachlasses. In diesem Fall steht es nicht mehr im Belieben der Miterben, die Erbengemeinschaft auf vertraglicher Grundlage fortzuführen. Die Erbengemeinschaft erlischt auch, wenn eine Person alle Erbanteile erwirbt.

Erbengemeinschaft

  • Als Miterbe einer Erbengemeinschaft steht Ihnen kein bestimmter Bruchteil zu; vielmehr gehören alle Gegenstände des Nachlasses den Miterben gemeinschaftlich. Sie haben als Miterbe also kein Teilrecht an einem Nachlassgegenstand.
  • Gesetzlich steht die Verwaltung des Nachlasses den Miterben gemeinschaftlich zu, wobei jeder Miterbe dem anderen gegenüber verpflichtet ist, zu Maßnahmen, die zur ordnungsgemäßen Verwaltung erforderlich sind, mitzuwirken.
  • Maßnahmen, die über die ordnungsmäßige Verwaltung hinausgehen, können nur mit Zustimmung aller Miterben vorgenommen werden. Wenn also eine zum Nachlass gehörende Immobilie verkauft werden soll, bedarf dies des Einvernehmens aller Miterben.
  • Für Maßnahmen der ordnungsmäßigen Verwaltung genügt ein Mehrheitsbeschluss. Die Mehrheit wird nach Erbteilen berechnet, nicht nach der Zahl der Miterben.
  • Unaufschiebbare Maßnahmen, also Maßnahmen, die dringend erforderlich sind, um eine Beeinträchtigung des Nachlasses zu vermeiden (z.B. Reparatur einer defekten Heizung in den Wintermonaten), kann jeder Miterbe allein mit Wirkung für alle Erben treffen.
  • Als Miterbe können Sie Ihren Erbteil insgesamt an einen Dritten übertragen. Sie können den Erbteil verkaufen oder verschenken. Sie können Ihren Anteil auch nur zu einem Bruchteil auf einen Dritten übertragen. Der Übertragungsvertrag bedarf allerdings immer der notariellen Beurkundung.
  • Verkauft ein Miterbe seinen Erbteil an einen Dritten, so steht den übrigen Miterben ein gesetzliches Vorkaufsrecht zu. Dieses ist aber nur beim Verkauf gegeben. Verschenkt der Miterbe seinen Anteil, so müssen die anderen Miterben dies hinnehmen.
  • Das Vorkaufsrecht steht allen in der Erbengemeinschaft verbliebenen Miterben gemeinschaftlich zu. Dazu gehört nicht ein Miterbe, der seinen Erbteil bereits veräußert hat. Wenn ein Miterbe das Vorkaufsrecht nicht ausüben will, steht es den anderen Miterben allein zu.
  • Als Miterbe haben Sie einen Anspruch gegenüber Ihren anderen Miterben, dass die gemeinschaftlichen Nachlassverbindlichkeiten beglichen werden. Soweit erforderlich, sind Nachlassgegenstände zu veräußern und in Geld umzusetzen. Dies bedarf der Zustimmung aller Miterben. Einen Miterben, der dem widerspricht, müssen Sie auf Zustimmung verklagen.
  • Für gemeinschaftliche Nachlassverbindlichkeiten, also für Verbindlichkeiten, mit denen alle Miterben belastet sind, haften diese gesamtschuldnerisch. Das bedeutet, dass jeder Miterbe für die jeweilige Nachlassverbindlichkeit in vollem Umfang einzustehen hat.
  • Als Miterbe können Sie die Nachlassgläubiger öffentlich auffordern, ihre Forderungen binnen sechs Monaten bei Ihnen oder beim Nachlassgericht anzumelden. Ist die Aufforderung erfolgt, dann haften Sie nach der Teilung des Nachlasses nur für den Ihrem Erbteil entsprechenden Teil der Forderung, wenn nicht vor dem Fristablauf die Anmeldung erfolgt oder die Forderung Ihnen zur Zeit der Nachlassteilung bekannt ist.
  • Als Miterbe haben Sie gegenüber den übrigen Miterben einen Anspruch auf Aufteilung des Nachlasses, den Sie gegebenenfalls im Wege der Klage geltend machen müssen. Ihr Anspruch ist darauf gerichtet, dass die übrigen Miterben bei der Auseinandersetzung mitwirken, das heißt u.a. der Tilgung der Nachlassverbindlichkeiten, dem Auseinandersetzungsplan und dessen Vollziehung zustimmen müssen.
  • Wenn sich alle Miterben einig sind, können sie vom durch den Erblasser angeordneten Verbot der Nachlassteilung abweichen. Erforderlich ist also die Zustimmung aller Miterben. Als Miterbe können Sie die Nachlassteilung trotz eines Nachlassverbots verlangen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Das wäre z.B. der Fall, wenn die Miterben untereinander so zerstritten sind, dass eine gemeinsame Verwaltung des Nachlasses nicht mehr möglich ist.
  • Die Miterben können einvernehmlich auch eine vom Gesetz abweichende Nachlassteilung vornehmen. So können z.B. einem Miterben Nachlassgegenstände gegen Übernahme der Verpflichtung zugeteilt werden, bestimmte Nachlassverbindlichkeiten zu begleichen. Auch der Erblasser kann vom Gesetz abweichende Anordnungen treffen.
  • Ein Abkömmling, der durch Mitarbeit im Haushalt, Beruf oder Geschäft des Erblassers während längerer Zeit, durch erhebliche Geldleistungen oder in anderer Weise in besonderem Maße dazu beigetragen hat, dass das Vermögen des Erblassers erhalten oder vermehrt wurde, kann bei der Auseinandersetzung eine Ausgleichung unter den Abkömmlingen verlangen, die mit ihm als gesetzliche Erben zur Erbfolge gelangen. Dies gilt auch für einen Abkömmling, der den Erblasser während längerer Zeit gepflegt hat. Eine Ausgleichung kann nicht verlangt werden, wenn für die Leistungen ein angemessenes Entgelt gewährt oder vereinbart worden ist oder soweit dem Abkömmling wegen seiner Leistungen ein Anspruch aus anderem Rechtsgrund zusteht.
  • Wenn die Erben keine Einigung über die Teilung des Nachlasses erreichen, kommt als letzter Weg zur Beendigung der Erbengemeinschaft die sogenannte Auseinandersetzungsklage in Betracht. Sie ist auf die Zustimmung zu einem bestimmten Aufteilungsplan gerichtet.
  • Die Auseinandersetzungsklage ist letztlich der einzige rechtliche Weg, die gewünschte Nachlassteilung zwangsweise durchzusetzen, wenn eine einvernehmliche Teilung unter den Miterben nicht zustande kommt. Allerdings handelt es sich hier um ein aufwändiges und unter Umständen kostenträchtiges gerichtliches Verfahren mit einem für den Kläger beträchtlichen Prozessrisiko.
  • Bevor Sie als Miterbe eine Auseinandersetzungsklage erheben, sollten Sie in jedem Fall fachkundigen Rat bei einem Anwalt einholen. Wenn die Klage wegen des Streitwerts vor dem Landgericht zu erheben ist, besteht ohnehin Anwaltszwang.